Freie Wärme Aktiv

Freie Wärme Newsletter
Ausgabe: Dezember 2015

Die Themen im Überblick:

01. Für Technologieoffenheit und gegen die Ideologisierung des Wärmemarkts

Jahresversammlung
Andreas Müller, Johannes Kaindlstorfer und Andreas Lücke
Jahresversammlung
Andreas Lücke
Jahresversammlung
Oventrop und VEH (Verband Energiehandel Südwest)
Oventrop und VEH (Verband Energiehandel Südwest)

Die Ausbauziele von Nah- und Fernwärme werden in Studien, Umfragen und Positionspapieren zunehmend thematisiert. So zum Beispiel die 70/70-Strategie der AGFW Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK, mit dem Ziel einer Vervierfachung der bundesdeutschen Trassenlänge auf über 52.500 km oder die Umfrage der Wirtschaftsprüfung Rödl & Partner unter Energieversorgern und Stadtwerken, bei der sich 69 % der Befragten eher für den Ausbau der Fernwärme aussprachen. Zwar hat die Studie „Fernwärme 3.0“ des HIR Hamburg Institut Research auch den Ausbau der Fernwärme zum Ziel, doch werden darin ebenso zahlreiche Problembereiche aufgezeigt, zum Beispiel, dass zentrale Wärmenetze eben nicht zwingend verbraucherfreundlich und ökologisch sowie wettbewerbsoptimiert sind.


Intensivierung der Zusammenarbeit und Vernetzung
Im Rahmen der Jahrestagung in Frankfurt am Main hat die Allianz Freie Wärme (AFW), zwei Jahre nach dem Start der Branchenkampagne, nicht ohne Grund die Devise ausgegeben, auf die Intensivierung der Zusammenarbeit und verstärkte Vernetzung zu setzen. Wenn es um gezielte Aufklärung und Informationen rund um so genannte Kommunale Eingriffe geht, sollen der Know-how-Transfer, das Serviceangebot und die Kontakte in die Bundespolitik, die Bundesländer und Kommunen Schritt für Schritt ausgebaut werden. Bei Kommunalen Eingriffen handelt sich um monopolistisch geprägte Anschluss-, Benutzungszwänge und Verbrennungsverbote, die den Verbrauchern die freie Wahl der Heizungstechnik und des Energieträgers nehmen.
„Dass Nah- und Fernwärme nur dann Sinn machen, wenn sie verbraucherfreundlich, also frei wählbar und wirtschaftlich in einem technologieoffenen Wettbewerb stattfinden, das wird noch viel zu selten gesehen. Oft haben zentrale Wärmenetze nahezu einen Freifahrtschein, und dies kann nicht sein“, kommentiert AFW-Sprecher Johannes Kaindlstorfer diese Entwicklungen.


Neue Förderer und Partner unterstützen die Info- und Serviceplattform

„Politische Gründe wie zum Beispiel die derzeitige Forderung nach Dekarbonisierung im Wärmemarkt, aber auch Marktentwicklungen wie die Fehleinschätzung hocheffizienter, dezentraler Wärmesysteme bei der erfolgreichen Umsetzung der Energiewende haben dazu geführt, dass sich der BDH seit Juli mit einigen Mitgliedsunternehmen stärker in der Allianz Freie Wärme engagiert“, sagte Andreas Lücke, Hauptgeschäftsführer Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) in Frankfurt.
Nachdem zu Beginn des Jahres der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), das Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO) und der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks Zentralinnungsverband (ZIV) für die Informationsarbeit rund um Kommunale Eingriffe sowie die Vorteile individueller Heizungslösungen gewonnen werden konnten, kamen per Jahreshälfte die Unternehmen Vaillant, Viessmann, Bosch Thermotechnik, Wolf, Brötje und Weishaupt hinzu.
Im November folgten nun der Hersteller von Armaturen und Reglern für die Haustechnik, Oventrop, und der Verband Energiehandel Südwest (VEH).

Wärmeanbieter werden zu regional geschützten Wärmemonopolisten

Andreas Müller, stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim ZVSHK, berichtet in seinem Vortrag, dass sich das Fachhandwerk immer öfter Meldungen über Anschlusszwänge, Nutzungs- oder Verbrennungsverbote aus den ca. 400 Innungen des SHK-Handwerks ausgesetzt fühlt. Dabei habe man zunehmend mit den Auswirkungen des „Gesetzes zur Förderung des Klimaschutzes bei der Entwicklung in Städten und Gemeinden“ aus 2011 zu tun, da sich immer mehr Kommunen mit der Frage Energiegewinnung und -erzeugung beschäftigen. Es erleichtere den Kommunen, Grundeigentümer zum Anschluss an die regionalen Wärmenetze zu zwingen.
„Die Wärmeanbieter werden so zu regional geschützten Wärmemonopolisten, und das steht nach unserer Auffassung im klaren Widerspruch zu einem freien, innovativen und energieträgerneutralen Wärmemarkt“, kritisierte Müller. Viele Städte und Gemeinden nutzen den rechtlichen Spielraum, um ihre zentrale Strom- und Wärmeversorgung konsequent voranzutreiben. In diesem Kontext erweitern sie ihre kommunalen Vorschriften wie etwa Flächennutzungspläne, Bebauungspläne oder Satzungen etc., um Anschlusszwänge oder Verbrennungsverbote in vielen Fällen zugunsten subventionierter Angebote regionaler Versorger zu erlassen.
„Argumente wie umweltfreundliche Energieerzeugung, Versorgungssicherheit, Bürgernähe oder ‚Strom und Wärme aus der Region für die Region’ sind dabei die üblichen Werbeversprechen. Diese lenken letztendlich aber nur davon ab, dass die Bürger über den Anschlusszwang in jahrzehntelange Abhängigkeit vom regionalen Versorger beziehungsweise von den Stadtwerken geraten“, so Müller. Die Ausstattung der vielen Multiplikatoren vor Ort mit Informationsmaterialien, die über Gefahren kommunaler Eingriffe aber auch Vorteile individueller Wärmelösungen informieren und aufklären können, müsse insofern vorangetrieben werden.

Dialog mit Politik und Öffentlichkeit

Dies ist unter anderem das Ziel des im Mai gegründeten „Aktionsbündnis Baden-Württemberg für individuelles Heizen“, das von Dietmar Zahn, Geschäftsführer beim Fachverband SHK Baden-Württemberg, vorgestellt wurde. Baden-Württemberg ist unter anderem durch § 11 Gemeindeordnung ganz besonders betroffen, weil hierin die mehr oder weniger problemlose Einrichtung von Anschluss- und Benutzungszwängen geregelt ist. „Vor allem geht es uns um den Dialog mit der Landes- und Kommunalpolitik, sowie mit den kommunalen Spitzenverbänden“, betonte Zahn. Aber die gezielte Information der Öffentlichkeit und der Immobilienbesitzer über die Konsequenzen der kommunalen Eingriffe allgemein, die Monopolisierung, sowie über die Konsequenzen für die Verbraucher und Betreiber von Heizungsanlagen, stehen ebenso im Vordergrund. Unter anderem mit der Allianz Freie Wärme als Kooperationspartner plant das Aktionsbündnis Multiplikatoren-Veranstaltungen sowie Gespräche und Aktionen auf politischer Ebene.

02. Neue Broschüre „Monopolistische Planwirtschaft oder marktwirtschaftlicher Wettbewerb? Zentrale und dezentrale Wärmeversorgung im Vergleich.“

Neue Broschüre Freie Wärme

Gesucht: Optimale Lösungen für die Energie- und Wärmewende. Deshalb gilt es, die vielen Chancen aber auch Risiken genau abzuwägen. Hierbei unterstützt die neue Broschüre „Monopolistische Planwirtschaft oder marktwirtschaftlicher Wettbewerb? Zentrale und dezentrale Wärmeversorgung im Vergleich“ beispielsweise Politiker, Planer und Bürger.

Zurecht wird „Energieeffizienz“ im Rahmen der Energiewende als der schlafende Riese beschrieben, den es für eine erfolgreiche Umsetzung zu wecken gilt. Folglich gibt es keine Energiewende ohne Wärmewende. Alleine Gebäude verursachen rund 40 Prozent des Endenergieverbrauchs in Deutschland und etwa ein Drittel der CO2-Emissionen.

Jedoch kann es bei der Wärmewende keine allein gültigen Pauschal- oder Königslösungen für eine technische Ausrichtung wie z. B. zentrale Wärmenetze geben. Dafür sind die Zusammenhänge im Wärmemarkt mit eigenständig zu betrachtenden Aspekten für Gebäude und die kommunale Infrastruktur zu komplex. Was in einer Kommune oder in einem Stadtviertel als „Best Practice“ funktioniert kann woanders als Fehlplanung enorme Folgekosten verursachen.

Im Kontext der nationalen Energiepolitik der Bundesregierung wird in der Broschüre neben den politischen Standpunkten der Allianz Freie Wärme unter anderem dargestellt, warum Nah- und Fernwärme auf der Suche nach optimalen Lösungen nicht alleinig und in jedem Fall das richtige regionale Energiekonzept darstellen.

Die Broschüre steht im Servicebereich unter www.freie-waerme.de zum Download zur Verfügung.

Prüfkriterien für kommunale Energiekonzepte

Bei der Ausarbeitung regionaler und kommunaler Energiekonzepte müssen ganz entscheidende Kriterien geprüft und in Einklang gebracht werden, wie zum Beispiel:

  • Effizienz und Wirtschaftlichkeit der geplanten Maßnahme
  • Energetisches Einsparpotenzial individueller Heizungslösungen
  • Kommunale Strukturen (Bebauungsdichte, lokale Verfügbarkeit von Energie)
  • Energetischer Gebäudezustand (Gebäudetechnik, Fenster, Dämmung)
  • Mittelständisch geprägte Beschäftigungsstrukturen (Arbeitsplätze)
  • Persönliche Bedürfnisse und Wünsche der Bürger (Flexibilität, Unabhängigkeit, Wohnkomfort).

03. Veränderte Wahrnehmung bei Kartellämtern und Bundespolitik – Praxisbericht Fernwärme und Verbraucherschutz

Praxisbericht Fernwärme und Verbraucherschutz
Fernwärme-Leitungen
Fernwärme-Leitungen

Kartellämter und zuständige Ressorts der Bundespolitik scheinen immer öfter die vehementen Nachteile zentraler Wärmenetze für Verbraucher wahrzunehmen. Denn in den öffentlichen Medien finden sich regelmäßig Berichte, dass die regional teilweise sehr hohen Fernwärmepreise von Landeskartellbehörden wie in Thüringen, Niedersachsen oder Schleswig-Holstein analysiert wurden, um danach von den Energieversorgern nicht unerhebliche Preissenkungen zu fordern.

Fernwärme-Strukturuntersuchung durch schleswig-holsteinische Landeskartellbehörde

Wie auf der Internetseite energie-experten.org erst kürzlich zu lesen war unterzog die schleswig-holsteinische Landeskartellbehörde für Energie die Fernwärmeversorgung in Schleswig-Holstein einer ausführlichen Strukturuntersuchung.
Demnach besteht bei den Fernwärmepreisen und -erlösen in Schleswig-Holstein eine große Bandbreite. Überraschend sei, dass auch bei Netzen mit grundsätzlich ähnlichen Strukturen eine große Preis- und Erlösspanne festzustellen ist. Die schleswig-holsteinischen Fernwärme-Preise schwankten 2012/2013 zwischen etwa 6 und 16 Cent je KWh.

Hochinteressant: Praxisbericht Fernwärme und Verbraucherschutz

Doch auch in der Politik regen sich offensichtlich Zweifel an der Allmacht von Nah- und Fernwärme.

Anfang November stellte das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV) im Rahmen eines Fachgesprächs einen „Praxisbericht Fernwärme und Verbraucherschutz“ der Verbraucherzentrale Hamburg vor. 100 Fälle der Verbraucherzentralen, 90 Internetseiten und die Preise von 170 Fernwärme-Anbietern wurden hierfür analysiert. Auf den Internetseiten des Ministeriums heißt es dazu: „Anlass der Veranstaltung waren die Ergebnisse des vom BMJV geförderten Projekts zur Untersuchung von Verbraucherproblemen im Fernwärmesektor. Der daraus hervorgegangene ‚Praxisbericht Fernwärme und Verbraucherschutz’ hat aufgezeigt, dass im Fernwärmesektor eine Vielzahl struktureller verbraucherpolitischer Probleme bestehen. Zurückzuführen sind diese insbesondere auf den mangelnden Wettbewerb im Fernwärmesektor.“ Nur einige der im Praxisbericht genannten, verbraucherkritischen Problemfelder sind: Die vielfältigen Einschränkungen des Wettbewerbs; marktbeherrschende, monopolartige Stellung; zu hoch empfundene Fernwärme-Preise; Anschluss- und Benutzungszwang; schwierig zu erfassende Transparenz bei FW-Preisen, etc.

04. Aktuelle Berichte zu Nah- und Fernwärme aus den Medien

Aktuelle Berichte

Die Vertragsmodalitäten, die Preise und mangelnde Alternativen bei der Nutzung von Nah- und Fernwärme werden immer wieder kritisiert. Wir haben für Sie einige Beispiele und Berichte aus den Medien ausgesucht.

Fernwärme-Frust ebbt nicht ab
Quelle: Kieler Nachrichten
Die Umstellung auf ein neues Fernwärme-Preissystem sorgt weiter für Frust bei etlichen Kunden der Kieler Stadtwerke. In Einzelfällen beträgt die Preissteigerung laut Verbraucherzentrale bis zu 100 Prozent. Satte 65 Prozent mehr soll Michael Jäger aus Kiel-Mettenhof bezahlen, er hat kein Verständnis.
Zum Artikel


Fernwärme – nicht jede Preiserhöhung ist rechtens. Bei unwirksamen Klauseln gibt es Rückforderungspotential
Quelle: Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein e.V.
Derzeit erhalten viele Verbraucher ihre Fernwärmeabrechnung. Darin enthalten ist zumeist die Ankündigung, dass sich im neuen Jahr die Preise erhöhen werden. Überwiegend wird es sich dabei "nur" um eine Erhöhung um unter 10% handeln. Das klingt erst einmal nach nicht viel, kann aber je nach Verbrauch auf das ganze Jahr gesehen schon einiges ausmachen.
Zur Pressemitteilung


Preis für Nahwärme steigt in Wutach um 14,7 Prozent
Quelle: Südkurier
Nach sechs Jahren Preisstabilität erhöht die Gemeinde die Gebühren, um der Kostendeckung ein Stück näher zu kommen.
Zum Artikel


Enorme Preissteigerungen: Fernwärme erhitzt Gemüter
Quelle:
Offenbach Post
Dietzenbach - 1.200 Kunden beziehen in der Kreisstadt Fernwärme von der Energieversorgung Dietzenbach. Das zum 1. Oktober in Kraft getretene neue Preissystem hat für einige Abnehmer Preissteigerungen von bis zu 30 Prozent die Folge.
Zum Artikel

05. Sehenswert in der Freie Wärme-Mediathek

Freie Wärme Mediathek

Über die Freie Wärme-Mediathek gelangen Sie zu Filmbeiträgen unseres Medienpartners energiefernsehen. Wir zeigen Ihnen in den aktuellen Sendungen Berichte von der Kostendiskussion um die Fernwärme in Freiburg sowie Interviews und Ausschnitte der Freie Wärme-Jahresversammlung am 03.12.2015 in Frankfurt. In der Playlist unseres YouTube-Kanals finden Sie aber noch viele weitere Clips der Allianz Freie Wärme.

Hier unsere aktuell ausgewählten Berichte:


Freiburger Öko-Baugebiet Gutleutmatten


Strittige Fernwärme im Freiburger Öko-Baugebiet Gutleutmatten
zum Bericht
Baugruppen für mehr Verbraucherfreundlichkeitzum Bericht
Kritik vom Fachhandwerk mangels Alternativenzum Bericht
Der transparente Energieversorgerzum Bericht

 

Jahresversammlung Allianz Freie Wärme 2015

 

Zweite Jahrestagung der Allianz Freie Wärme - zum Bericht
Zwei Jahre Allianz Freie Wärme - zum Bericht
Omnipräsent: Nah- und Fernwärme - zum Bericht
Die Zukunft der Branche - zum Bericht
Plötzlich sind sie da: Kommunale Eingriffe I (Ilmenau) - zum Bericht
Plötzlich sind sie da: Kommunale Eingriffe II (Freiburg Gutleutmatten) - zum Bericht
Technologieoffene Wärmekonzepte - zum Bericht

06. Aktuelle Verbote

Verbrennungsverbote

Zur Zeit gibt es in deutschen Städten und Kommunen über 1.200 Verbrennungsverbote und Anschlusszwänge. Beachten Sie hierzu auch die entsprechenden Karten auf unserer Website (Verbrennungsverbote, Anschlusszwänge).

Wenn Sie sich rechtzeitig gegen Verbrennungsverbote, Anschluss- sowie Benutzungszwänge wehren möchten, so finden Sie hier im Internet entsprechende Tipps und Hinweise worauf Sie zum Beispiel ganz besonders achten müssen.

Kommunale Eingriffe melden

Fallen Ihnen Planungsvorhaben zu Verbrennungsverboten und Anschlusszwängen auf, dann schreiben Sie uns gerne unter Nutzung des Meldeformulars im Freie Wärme-Radar. Die Anmeldung ist ganz einfach.

Wir nehmen dann mit Ihnen Kontakt auf.

07. Termine

Termine

SHK Essen
Branchentreffpunkt für Sanitär, Heizung, Klima und Erneuerbare Energien
09. bis 12. März 2016, Essen
http://www.shkessen.de


ifh INTHERM
Sanitär, Heizung, Klima und Erneuerbare Energien
05. bis 08. April 2016, Nürnberg
www.ifh-intherm.de

GET Nord
Fachmesse Elektro, Sanitär, Heizung, Klima
17. bis 19. November 2016, Hamburg
www.get-nord.de