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Ausgabe: Dezember 2017

Die Themen im Überblick:

01. Gebäudestudie von dena, geea und Verbänden setzt neue Maßstäbe

Gebäudestudie von dena und geea

Eine aktuelle Gebäudestudie von geea, dena und Branchenverbänden zeigt, die Energiewende im Gebäudesektor lässt sich bis 2050 am besten realisieren, wenn alle verfügbaren Effizienztechnologien wirtschaftlich eingesetzt und die Infrastrukturen für Strom, Gas und Öl effizient mit erneuerbaren Energieträgern genutzt werden.
Eine stark forcierte Elektrifizierung der Wärmeversorgung würde dagegen zu höheren Kosten führen und höhere Sanierungsraten erfordern. Ohne zusätzliche Anstrengungen würden die Klimaschutzziele klar verfehlt. Sie sind mit Mehrkosten von 12 bis 20 Prozent erreichbar, dafür wäre eine Steigerung der Sanierungsrate auf mindestens 1,4 Prozent erforderlich.

Eintrag 1: Bereits in über 1.000 deutschen Städten und Gemeinden ist die freie Wahl der Wärmeerzeugung für Bauherren und Hausbesitzer extrem eingeschränkt worden beziehungsweise nicht mehr möglich. Tendenz steigend. Von den Kommunen wurden vornehmlich in Neubaugebieten aber auch bei Modernisierungsprojekten so genannte „Verbrennungsverbote“ für Heizungsanlagen verhängt und entsprechende „Anschlusszwänge“ an Nah- und Fernwärmenetze ausgesprochen. Konkret heißt dies für Bauherren, Hausbesitzer und Bewohner, dass sie die eigene Heizungstechnik und die Energieträger (Öl, Gas, Strom, Holzpellets, Sonnenenergie) nicht mehr wählen dürfen, sondern in den meisten Fällen an langfristige Lieferverträge mit den Energieversorgern gebunden sind.

Erstmals aussagekräftige Zielerreichungspfade verglichen

Erstmalig wurden bei der Studie unterschiedliche Pfade zur Zielerreichung miteinander verglichen und unter Aspekten wie Kosten, Energieimporte und Infrastrukturbedarf untersucht. „Die Gebäudestudie setzt neue Maßstäbe, bisherige Publikationen von Fraunhofer und Agora liefen rein technologieorientiert eher auf ein ‚almost all electric’-Szenario bis 2050 hinaus“, erklärt Andreas Lücke, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie e. V. (BDH). Zudem wurde in der Gebäudestudie auf den gleichen Szenarien aufgebaut wie bei der kürzlich mit einem Zwischenfazit vorgestellten „dena-Leitstudie Integrierte Energiewende“, die Transformationspfade für vier Sektoren (Energieerzeugung und -verteilung, Gebäude, Industrie, Mobilität) erarbeitet. Für die Untersuchung in der Gebäudestudie wurden drei Leitszenarien entwickelt:
1. Das Referenzszenario schreibt die heutigen Tendenzen fort. Es dient als Vergleichsgröße für zwei Alternativen:
2. das Technologiemixszenario, das auf ein breites Spektrum an Technologien setzt, und
3. das Elektrifizierungsszenario, das auf einen sehr starken Einsatz von erneuerbarem Strom im Wärmebereich abzielt.

Technologiemix mit breitem Angebot anlagentechnischer Optionen

Im Kern zeigt die Studie auf, dass sich bei einem Technologiemix (TM) ein sehr breites Angebot an anlagentechnischen Optionen herauskristallisiert. Die Bedeutung der Wärmepumpe nimmt auch bei einem technologieoffenen TM-Szenario deutlich zu, analog zu einem starken Ausbau von Kapazitäten des Erneuerbare-Energien-Stroms aus Wind und Photovoltaik. Entgegen dem „almost all electric“-Szenario allerdings wächst ebenfalls sehr stark die Bedeutung gasförmiger und flüssiger Brennstoffe mit einem sukzessiv immer höheren Anteil an synthetischen oder biogenen Anteilen an Brennstoffen. Die Studie setzt in diesem Bereich nicht auf Energieautarkie, sondern sieht das Erfordernis, größere Mengen an synthetischen Brenn- und Kraftstoffen aus Europa und anderen Teilen der Welt zu importieren. Ebenfalls befasst sich die Studie mit dem europaweiten Strommix, ohne auf eine illusorische Stromautarkie in Deutschland zu setzen.

Ergebnisse, Zielerreichung und Kosten

Was die Klimaschutzziele betrifft, so kann das Referenzszenario die 80-Prozent- bzw. 95-Prozent-Reduktionsziele nicht erreichen. Das Elektrifizierungsszenario erreicht die Ziele mit 20 % höheren Kosten als das Referenzszenario. Das günstigste Szenario ist das Technologiemixszenario mit 12 % Mehrkosten über dem Referenzszenario.

Klimaschutzziele im Gebäudesektor lassen sich erreichen

„Die Klimaschutzziele im Gebäudesektor lassen sich erreichen, aber dafür müssen wir uns erheblich mehr anstrengen und mehr einfallen lassen als bisher. Das technologische Potenzial dafür steht aber zur Verfügung“, sagte Andreas Kuhlmann, geea-Sprecher und Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, bei der Vorstellung der Studie in Berlin. „Der Gebäudesektor spielt eine entscheidende Rolle in der Energiewende. Hier wird mehr Energie verbraucht als im Verkehr oder in der Industrie, hier wird auch ein Großteil der für die Energiewende insgesamt aufzuwendenden Investitionen aufgebracht werden müssen. In Zukunft werden Gebäude auch immer wichtiger für das Energiesystem, indem sie Energie produzieren und speichern. Um diese Potenziale zu erschließen, brauchen wir für den sehr heterogenen und kleinteiligen Gebäudesektor offene Technologiepfade, die Faktoren wie Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und Akzeptanz seitens der Bevölkerung berücksichtigen. Dafür müssen die bestehenden Politikinstrumente verbessert und neue entwickelt werden. Dies betrifft beispielsweise die Ausweitung der Förderung oder die Intensivierung der Beratung. Die kommenden Koalitionsverhandlungen können dafür den Grundstein legen. Wichtig ist: Um einen effizienten Transformationspfad zu erreichen, werden erste entscheidende Maßnahmen sehr schnell anzugehen sein“.

Die Erstellung der Gebäudestudie haben unterstützt: Bundesindustrieverband Technische Gebäudeausrüstung e.V., Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie e.V., Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle e.V., Bundesverband Erneuerbare Energie e.V., Bundesverband Wärmepumpe e.V., Bundesvereinigung Bauwirtschaft GbR, Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau e.V., Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfaches e.V., Institut für Wärme und Oeltechnik e.V., UNITI Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen e.V., Verband Fenster + Fassade e.V., Zukunft Erdgas GmbH.

02. Marktwirtschaftliche Szenarien für den Wärmemarkt statt all-Electric – Interview mit Andreas Lücke (BDH)

Andreas Lücke (BDH)

Mit der aktuellen Gebäudestudie von geea, dena und Branchenverbänden werden neue Maßstäbe bei der energetischen und wirtschaftlichen Beurteilung des Gebäudesektors gesetzt. Erstmalig hat man unterschiedliche Pfade und Aspekte zur Zielerreichung miteinander verglichen. Was die Studie in der Außenwirkung ausmacht, darüber haben wir mit Andreas Lücke gesprochen, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie e. V. (BDH).

Herr Lücke, warum haben die beteiligten Verbände beschlossen, die Gebäudestudie zu initiieren?

"Wir haben im Laufe des letzten Jahres mit unseren Marktpartnern die Erwartung formuliert, technologieoffen und differenzierter über die Entwicklung im Wärmemarkt zu diskutieren. Wir wollten aufzeigen, welchen Beitrag der Wärmemarkt zur Erreichung der Klimaziele bis 2050 unter verschiedenen Aspekten leisten kann. Erste Veröffentlichungen des Fraunhofer Instituts und von Agora beinhalteten eine einseitige, nur auf Strom fokussierte Sicht auf die Entwicklung. Dies hat natürlich auch die energiepolitische Debatte beeinflusst. Hier wollten wir einen Kontrapunkt setzen."

Was unterscheidet die Gebäudestudie von anderen Studien?

"Wir wollten nicht nur in eine Richtung denken, sondern unterschiedliche Pfade zur Zielerreichung miteinander vergleichen. Dazu gehört nicht nur der Blick auf den künftigen Technologie- und Energiemix, sondern insbesondere auch die Kostenbetrachtung. Dieser Aspekt war bei allen vorangegangenen Studien völlig außen vor. Letztlich liefert die Gebäudestudie auch eine ökonomische Analyse des Gebäudesektors, denn die Umsetzung muss ja am Ende auch für die Bürger bezahlbar sein."

Wie funktioniert diese Analyse und was kam letztlich an Ergebnissen heraus?

"Um eine Vergleichbarkeit von Lösungen herzustellen, wurden drei Leitszenarien definiert: Im Referenzszenario wird die aktuelle Entwicklung fortgeschrieben. Es zeigt, dass wir die Klimaziele so nicht erreichen werden. Im Elektrifizierungsszenario wird hauptsächlich auf den Einsatz von erneuerbarem Strom im Wärmebereich abgestellt. Die Klimaziele 80 % und 95 % werden erreicht. Im Technologiemixszenario wird auf ein breites Spektrum an Technologien gesetzt, die Klimaziele werden ebenso erreicht. Und zwar mit Technologien, die durch erneuerbaren Strom sowie durch den Einsatz synthetischer Brennstoffe auf Basis erneuerbarer Energien in bestehenden Verbrennungstechnologien klimaneutral betrieben werden können. Allerdings sind die Kosten im technologieoffenen Szenario rund 330 bis 380 Mrd. Euro geringer, als im Elektrifizierungsszenario."

Was sind hierfür die Gründe?

"Für die Klimazielerreichung im Gebäudesektor muss gegenüber dem Referenzszenario in Gebäudehülle, Anlagentechnik und in das Energiesystem investiert werden. Diese Mehrinvestitionen sind in den Elektrifizierungsszenarien deutlich höher als in den entsprechenden Technologiemixszenarien. Die Zielerreichung gelingt neben Effizienzmaßnahmen an Gebäudehülle und Anlagentechnik vor allem durch eine Kombination von einerseits stark zunehmendem Strom aus erneuerbaren Energien und andererseits dem Einsatz von gasförmigen beziehungsweise flüssigen Brennstoffen aus Power-to-X."

Wie geht es mit der Gebäudestudie weiter?

"Die Gebäudestudie geht im kommenden Jahr als eines von vier Modulen in die "Leitstudie integrierte Energiewende" der dena ein. Die Ergebnisse der Gebäudestudie nutzen wir schon jetzt im politischen Diskurs rund um die Energie- und Wärmewende. Wir haben damit ein belastbares Instrumentarium in der Hand, dass es uns vor allem im politischen Diskurs erlaubt, die Dinge marktwirtschaftlich und technologieoffen zu betrachten."

03. 5. Jahrestagung Allianz Freie Wärme: Technologieoffene Wärmewende gefordert

Andreas Lücke, Hauptgeschäftsführer Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie e. V.
Johannes Kaindlstorfer, Sprecher Allianz Freie Wärme
Mark Elxnat, Referatsleiter Kommunal-/Energiewirtschaft Deutscher Städte- und Gemeindebund

• BDH beschreibt technologieoffenes Zukunftsszenario im Wärmemarkt
• DStGB und Allianz Freie Wärme planen Zusammenarbeit


Frankfurt am Main, 14.12.2017
– „Mit der vergleichenden Studie zu zentralen und dezentralen Wärmesystemen, weiteren Daten zur Heizungsmodernisierung im Vergleich mit der Fernwärme, inklusive der dazu gehörigen Broschüre, fünf regionalen Aktionsbündnissen, zahlreichen Materialien-Downloads auf der Website in den vergangenen zwei Jahren etc., haben wir insgesamt wirklich vieles erreicht“, resümiert Allianz Freie Wärme-Sprecher Johannes Kaindlstorfer, die Aktivitäten der Info- und Serviceplattform. Auf der mittlerweile 5. Jahrestagung, Anfang Dezember 2017, in den Räumlichkeiten der Messe Frankfurt, fordert Kaindlstorfer, dass Nah- und Fernwärme mit Anschluss-, Benutzungszwängen und Verbrennungsverboten keine Standardlösungen sein dürfen, wenn die wirtschaftlichen und energetischen Vorteile dezentraler Wärmesysteme mittlerweile mehrfach nachgewiesen seien.

Politikberatung in den Kommunen
Tatsächlich ist der Anteil der Fernwärme in Deutschland in den vergangenen Jahren nach Angaben des bdew stetig bis auf 14 Prozent gestiegen. „Besonders im Neubaubereich lässt sich diese Entwicklung weiter nachverfolgen“, so Kaindlstorfer. Laut statistischem Bundesamt (destatis) waren es allein im Jahr 2015/16 knapp neun Prozent mehr Gebäude, die mit Fernwärme ausgestattet wurden. Hier setzt die Allianz Freie Wärme mit ihren Maßnahmen an. Neben der Basiskommunikation mit kontinuierlichen Informationen und praxisnahen Serviceangeboten wird das Bündnis im neuen Jahr verstärkt auf den Dialog mit den politischen Entscheidern vor Ort setzen. „Mit existierenden Materialien, und gezielten Unterstützungsangeboten werden wir im kommenden Jahr gemeinsam als Branche vor Ort in der Region aktiv werden, und die Kommunalpolitik wie auch Verbraucher über die Fallstricke kommunaler Eingriffe in den Wärmemarkt informieren“, beschreibt Kaindlstorfer den Schwerpunkt der Kampagnenarbeit für das Jahr 2018.

Wärmemarkt steht vor großen Herausforderungen
Der Wärmemarkt steht mit weit über 80 Prozent Anteil dezentraler Lösungen vor großen Veränderungen. Die energiepolitischen Ziele für 2020 sind nicht mehr erreichbar, bis 2030 sollen in Deutschland die Treibhausgasemissionen um mindestens 55 Prozent verringert werden, bis 2050 sogar um mindestens 80 bis 95 Prozent. Zudem soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch erheblich gesteigert werden.

„Um diese hoch ambitionierten Ziele erreichen zu können, setzt der BDH für die Zukunft auf ein technologie- und energieoffenes Szenario im Wärmemarkt. Die Bedeutung von Strom aus erneuerbaren Energien wird deutlich zunehmen, zugleich werden wir auf flüssige und gasförmige Brennstoffe nicht verzichten können. Diese werden allerdings künftig zunehmend synthetisch hergestellt oder als Biobrennstoffe erzeugt“, erklärt Andreas Lücke, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH). Diese dienen als Back-up, insbesondere in Zeiten der kalten Dunkelflaute, in denen nicht genügend erneuerbarer Strom vorhanden sein wird.

Diagramm Technologieoffene Sektorkopplung
Quelle: BDH

Neue Studie: Technologiemix-Szenario günstiger als „almost all electric“-Szenario
Der BDH geht in seinem Zukunftsszenario für eine technologieoffene Sektorkopplung davon aus, dass man aufgrund besserer Gebäudehüllen den Energiebedarf von derzeit 800 TWh bis 2050 um etwa die Hälfte auf 400 TWh senken kann. Der dafür zugrundeliegende Energiemix besteht dann in erster Linie aus Strom aus erneuerbaren Energien und Umweltwärme. Daneben spielen sowohl Solarenergie (Solarthermie, PV) als auch die Biomasse eine Rolle. Schließlich beinhaltet der Energiemixmix im technologieoffenen Szenario auch synthetisches Gas und Öl. Auf Seite der Technologien kommen dann etwa sechs bis sieben Millionen Wärmepumpen zum Einsatz, die mit Überschüssen aus dem Netz und zusammen mit einem Back-up-Kessel, basierend auf Brennwerttechnik, das Haus versorgen. „Wie die kürzlich veröffentlichte Gebäudestudie von dena, geea und Verbänden zeigt, wird ein ‚almost all electric’-Szenario nicht die Lösung sein können“, so Lücke weiter. „Es wäre mit 1,05 Billionen Euro Investitionskosten etwa 350 Milliarden Euro teurer als das Technologiemix-Szenario inkl. Maßnahmen an der Gebäudehülle“.

Städte- und Gemeindebund setzt auf kosteneffiziente und technologieoffene Lösungen
Marc Elxnat, Referatsleiter u. a. für Kommunal- und Energiewirtschaft beim Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB), sieht in den Sektoren Strom, Wärme und Verkehr die Treiber der Energiewende. Aus Sicht der Kommunen müssten allerdings jetzt für die Wärmewende kosteneffiziente und technologieoffene Lösungen umgesetzt werden können. Der DStGB bedauert daher das Scheitern beim Gebäudeenergiegesetz, da darin die Chance bestand, langfristige Rahmenbedingungen bei Gebäudestandards und Fernwärme zu setzen und Inkonsistenten zu beseitigen. Für die neue Legislaturperiode sollten sich andauernd ändernde Vorschriften oder Verschärfungen unbedingt vermieden werden, um zielgerichtete Investitionen tätigen zu können. "Klimafreundliche Versorgungskonzepte der Kommunen müssen künftig durch finanzielle Anreize besser unterstützt werden. Und zwar brauchen wir keine technologiespezifische, sondern tatsächlich auch technologieoffene Lösungen“, fordert Elxnat. Mit der Allianz Freie Wärme sind dahingehend weitere Gespräche und vielleicht Projekte der Zusammenarbeit geplant.

Die Fotos zur Jahrestagung befinden sich auf der Website unter Pressefotos

Über die Allianz Freie Wärme:
Die Allianz Freie Wärme ist ein Zusammenschluss von Initiativen, Unternehmen und Verbänden aus den Bereichen Heizen und Wärme. Die Akteure setzen sich zum Beispiel mit Informationen und Services im kostenfreien Freie Wärme-Radar unter www.freie-waerme.de für moderne, individuelle Heizsysteme und das Recht der Verbraucher ein, sich unabhängig und frei für das optimale Heizsystem zu entscheiden. Hierzu gehören hocheffiziente Öl- und Gasheizungen ebenso wie Holz- und Pellet-Systeme, Wärmepumpen, KWK-Systeme, Kamin- und Kachelöfen, Solarwärmeanlagen sowie Abgassysteme. Damit ist Freie Wärme das Gegenteil von zentralistischen Nah- und Fernwärmesystemen, die durch Politik und Industrie unter anderem über Anschlusszwänge und Verbrennungsverbote forciert werden und den Verbrauchern die Wahl der Wärmequelle nehmen.

04. Energetische und wirtschaftliche Vorteile durch Heizungsmodernisierung

Johannes Kaindlstorfer

Monopolistisch geprägte Wärmenetze wie die Nah- und Fernwärme sind keine Standardlösungen. Neben vertraglich bedingten Nachteilen für Verbraucher, sind sehr oft die Voraussetzungen für einen langfristig wirtschaftlichen Betrieb nicht gegeben. Steht die Frage individuelle Heizung oder Fernwärme an, dann können schon alleine durch einen Heizungsmodernisierung Kosten eingespart werden.

„Ob im Gebäudebestand nach einer Heizungsmodernisierung oder in Neubauobjekten, in nahezu allen Fällen führt der Einsatz individueller Heizungstechnik zu spürbaren finanziellen Vorteilen für den Endverbraucher“, sagt Johannes Kaindlstorfer, Sprecher Allianz Freie Wärme. Dies besagen weitere Ergebnisse aus der Studie „Dezentrale vs. zentrale Wärmeversorgung im deutschen Wärmemarkt“ (09/2016). 

Vergleich der Installationskosten
Durch eine Heizungsmodernisierung im Gebäudebestand kann man mit einer Investition in eine effiziente Heizungsanlage rd. ein Drittel (32,25 %) der Installationskosten gegenüber der Fernwärme einsparen.

Vorteile durch Heizungsmodernisierung
Aber allein schon die Heizungsmodernisierung im Bestandsgebäude mit Öl- oder Gasbrennwerttechnik lohnt sich: Betrachtet man danach die jährliche Einsparung bei den Energiekosten gegenüber dem Ausgangszustand, so spart man nur durch die neue Heizungsanlage 30,8 %. Je nach Einbindung von Solarthermie, lassen sich die Energiekosten um bis zu 41,3 % (1.114 Euro pro Jahr) gegenüber der alten Heizungsanlage senken – inkl. Einberechnung einer Preissteigerung über 20 Jahre.

Vorteile gegenüber Fernwärme im Neubau
Im Neubau sind die Investitionskosten für Heizungsanlagen gegenüber der Fernwärme-Anbindung zwar höher. Dennoch lassen sich auch hier bei den durchschnittlich jährlichen Energiekosten inkl. Preissteigerungen Einsparungen gegenüber zentralen Wärmenetzen erzielen. Je nach ausgewählter Heizungstechnik sind dies Einsparungen von 25 % (680 Euro/Jahr) bis 48,5 % (1.315,50 Euro/Jahr).

Die Ergebnisse sind in einer neuen Broschüre der Allianz Freie Wärme zusammengefasst.

05. Die richtige Information zum richtigen Zeitpunkt

Sie möchten oder müssen sich für die Vorteile individueller Heizungssysteme einsetzen, weil in Ihrem Umfeld ein Nah- oder Fernwärmenetz aufgebaut werden soll? Dann haben wir je nach Anlass die passenden Informationen für Sie. Die Broschüren der Allianz Freie Wärme sind kostenfrei, und wurden als praxisorientierte Service-Informationen erstellt.

Sind Nahwärmenetze geplant, werden durch kommunale Vorschriften wie etwa neue Bauleitplanverfahren, Brennstoffverordnungen und Fernwärmesatzungen, aber auch zunehmend in Grundstücksverträgen, so genannte Anschluss- und Benutzungszwänge oder Verbrennungsverbote verhängt. Das heißt, den Hauseigentümern und Mietern drohen langfristige Wärmelieferverträge von mindestens zehn Jahren und sie haben keine Wechselmöglichkeiten zu anderen Anbietern oder Heizungstechniken. Die Verbraucher sind somit in ihren Möglichkeiten der Wärmeerzeugung stark eingeschränkt und meistens von einem Energieversorger langfristig abhängig.

Infomaterialien für Gespräche und Aktionen

In solchen Fällen machen Informationsgespräche mit den kommunalen Entscheidern oder Versandaktionen für technologieoffene und marktwirtschaftliche Lösungen enormen Sinn. Je nach Situation, Bedarf und Einsatzzweck können die Printmaterialien der Allianz Freie Wärme aktiv für die Argumentationen oder als Themenaufhänger in Gesprächen verwendet werden. Auf der Website der Info- und Serviceplattform sind die Broschüren entsprechend gegliedert:
1. Erstinformationen für Politiker und Verbraucher
2. Prävention und sich wehren – Tipps für Betroffene und Akteure
3. Energetische und wirtschaftliche Argumentation
4. Info- und Service-Paket mit Freie Wärme-Radar - Frühwarnsystem für kommunale Eingriffe
5. Allgemeine Informationen zu kommunalen Eingriffen und zur Allianz Freie Wärme

Broschürenliste gibt Überblick

Eine neue Broschürenliste ermöglicht einen guten Überblick, welche Materialien es gibt. Sie eignet sich ganz besonders auch für unterwegs bei Gesprächen oder für die Weitergabe an Freunde, Nachbarn, Kunden und Geschäftspartner.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie uns gerne via e-Mail unter info(at)freie-waerme(dot)de

Download Broschürenliste

06. Kaltes Wärmenetz in Bühl – Anschlusszwang verhindert

Dr. Jörg Lenk, Uniti Umweltbeauftragter

Bei „kalten Wärmenetzen“ geht es eigentlich um eine an sich interessante Technologie, die jedoch die richtigen Voraussetzungen braucht, um zu funktionieren. Im Prinzip handelt es sich dabei um Wärmenetze, die mit der Umgebungstemperatur des Erdreiches arbeiten.

Jeder Abnehmer wird allerdings mit einer Wärmepumpe ausgestattet, die auf das Kalte Wärmenetz zurückgreift und – je nach geologischen Bedingungen – effizient oder weniger effizient arbeitet. Auch Bühl in Baden plante im letzten Jahr ein solches Netz, das letztlich auf einen Anschlusszwang mit Installationspflicht einer Wärmepumpe hinauslief. Wie es der Zufall wollte, fand auch eine Bürgerinformationsveranstaltung dazu erst genau an dem Tag statt, als die Einspruchsfrist zum Bebauungsplan auslief.

Ein Tipp von einem betroffenen Bürger vor Ort, machte Dr. Jörg Lenk, Uniti Umweltbeauftragter, auf den Fall aufmerksam. „Wir haben den Kritik übenden Bürger mit Argumenten ausgestattet. Letztlich kamen auch beim Gemeinderat an, der mehrheitlich dafür plädierte, das Projekt einzustellen“, so Lenk.

Schlussendlich, so ein Stadtrat, sei es jedoch richtig, dass die Verwaltung den Bürgern nichts aufdränge, was diese nicht wollten. Als Alternative steht nun der Anschluss ans Gasnetz der eigenen Stadtwerke an – jedoch ohne Anschlusszwang.

07. Aktuelle Verbote

Verbrennungsverbote

Zur Zeit gibt es in deutschen Städten und Kommunen über 1.200 Verbrennungsverbote und Anschlusszwänge. Wenn Sie sich gegen Verbrennungsverbote, Anschluss- sowie Benutzungszwänge rechtzeitig wehren möchten, so finden Sie hier im Internet entsprechende Tipps und Hinweise worauf Sie zum Beispiel ganz besonders achten müssen.

Fallen Ihnen Planungsvorhaben zu Verbrennungsverboten und Anschlusszwängen auf, dann schreiben Sie uns gerne unter Nutzung des Meldeformulars im Freie Wärme-Radar. Die Anmeldung ist ganz einfach. Wir nehmen dann mit Ihnen Kontakt auf.

08. Termine

Termine

Deutsche Wärmekonferenz 2018

30. Januar 2018, Berlin
Veranstaltungsinformationen


SHK ESSEN 2018 
6. bis 9. März 2018, Essen
www.shkessen.de/branchentreff


IFH/Intherm 2018 
10. bis 13. April 2018
www.ifh-intherm.de