Vergleichende wissenschaftliche Studie:

Dezentrale vs. zentrale Wärmeversorgung
im deutschen Wärmemarkt

Dezentrale vs. zentrale Wärmeversorgung im deutschen Wärmemarkt

Vergleichende Studie aus energetischer und ökonomischer Sicht

210 Seiten | DIN A4 | 7 MB |
Autoren: Prof. Dr. Andreas Pfnür, Dr.-Ing. Bernadetta Winiewska, Dipl.-Ing. Bettina Mailach, Prof. Dr.-Ing. Bert Oschatz

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Zusammenfassung der Studie

Dezentrale vs. zentrale Wärmeversorgung im deutschen Wärmemarkt

210 Seiten | DIN A4 | 0,5 MB |
Autoren: Prof. Dr. Andreas Pfnür, Dr.-Ing. Bernadetta Winiewska, Dipl.-Ing. Bettina Mailach, Prof. Dr.-Ing. Bert Oschatz

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16 Seiten | DIN A4 | 3 MB |

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Studie zur Wärmeversorgung von Wohngebäuden besagt:

Fernwärme lohnt sich nicht!

Mit sanierten Einzelheizungen lassen sich die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung günstiger erreichen als mit Nah- und Fernwärmenetzen. Zugleich ist die Fernwärme in der Regel mit höheren Heizkosten für die Verbraucher verbunden. Das sind Ergebnisse einer Studie (Sep. 2016), in der beide Formen der Gebäudebeheizung verglichen werden. Eine generelle, politische Bevorzugung von Wärmenetzen ist daher nicht gerechtfertigt. Zum Zeitpunkt der Studienerstellung wurde der Wärmenetzausbau jährlich mit 250 Millionen Euro gefördert.

Der Ausbau von Wärmenetzen ist in bestimmten Fällen sinnvoll. Meistens liegen aber die erforderlichen Kriterien nicht vor. Bezogen auf den deutschen Gebäudebestand mit 18 Millionen Häusern ist er aber weder aus Sicht des Klimaschutzes noch aus finanziellen Erwägungen eine massentaugliche Lösung. Das geht aus der im September 2016 veröffentlichten Studie „Dezentrale vs. zentrale Wärmeversorgung im deutschen Wärmemarkt“ hervor. 

Heizungsmodernisierung bringt wirtschaftliche Vorteile

„Eine Sanierung mit dezentralen Heizungssystemen bietet in allen untersuchten Gebäudevarianten und Versorgungsgebieten wirtschaftliche Vorteile gegenüber einer Sanierung mit zentralen, wärmenetzgebundenen Versorgungssystemen“, heißt es in der Untersuchung, die von wissenschaftlichen Teams um Prof. Dr. Bert Oschatz vom Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden Forschung und Anwendung (ITG) sowie um Prof. Dr. Andreas Pfnür, Leiter des Fachgebiets Immobilienwirtschaft und Baubetriebswirtschaftslehre an der TU Darmstadt, erstellt wurde. Gesamtwirtschaftlich betrachtet wäre die netzgebundene Wärmeversorgung aller Bestandsgebäude über einen Zeitraum von 20 Jahren um 250 Milliarden Euro teurer als bei einer Erneuerung durch dezentrale Heizungen. Auch im Neubau sind dezentrale Heizungen laut Studie in der Regel günstiger. 

Einzelheizung für Hausbesitzer fast 15.000 Euro günstiger

Die Autoren rechnen vor, dass zum Beispiel eine durchschnittliche Einzelheizung im Falle eines unsanierten Einfamilienhauses über einen 20-Jahres-Zeitraum um 14.757 Euro günstiger als die Fernwärme-Variante wäre. Das sind mehr als 61 Euro pro Monat.
Besonders Geringverdiener seien von höheren Fernwärmekosten betroffen. Die Berechnungen der Studie stützen frühere Untersuchungen des Kartellamts und der Verbraucherschutzzentralen, die aufzeigen, dass monopolistische Marktstrukturen in der Fernwärme die Wärmeversorgung für Verbraucher nicht nur intransparent gestalten, sondern auch spürbar verteuern.
Die Studie kann hier kostenfrei heruntergeladen werden:

Gesamtfassung | 210 Seiten | 7MB
Zusammenfassung | 12 Seiten | 0,5 MB
Newsletter mit Details zur Studie | 16 Seiten | 3 MB
Pressemitteilung


Individuelle Wärmeversorgung weist energetische Vorteile aus

„In den meisten untersuchten Fällen weist die individuelle, dezentrale Wärmeversorgung gegenüber der zentralen Wärmeversorgung wegen des tendenziell geringeren Energieverbrauchs primärenergetische Vorteile aus“, sagt Prof. Dr.-Ing. Bert Oschatz, ITG Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden. Dies trifft vor allem auf Wohngebiete mit sanierten Gebäuden und auf Neubaugebiete zu, in denen grundsätzlich ein geringerer Energiebedarf besteht. „Eine Sanierung mit dezentralen Heizungssystemen bietet in allen untersuchten Gebäudevarianten und Versorgungsgebieten wirtschaftliche Vorteile gegenüber einer Sanierung mit zentralen, wärmenetzgebundenen Versorgungssystemen“, so Oschatz.

Ordentliche Renditen nach einer Heizungsmodernisierung

Für Prof. Dr. Andreas Pfnür, Technische Universität Darmstadt, führt die dezentrale Modernisierung des Wärmesystems aus Sicht des baulichen Planers, des Selbstnutzers und des Mieters sowohl im Durchschnitt als auch in der weit überwiegenden Anzahl an Anwendungsfällen zu eindeutig niedrigeren Wärmekosten als die zentrale Wärmeversorgung. Die Ergebnisse bestätigen die Studien des Kartellamts und des Verbraucherschutzes. „Bei unsanierten Bestandsgebäuden können Selbstnutzer nach einer Heizungsmodernisierung von recht ordentlichen Renditen profitieren, was bei Mietern wiederum zu niedrigeren Wärmekosten als im Status quo führt“, so Pfnür. Im Falle eines zu sanierenden Einfamilienhauses wäre beispielsweise eine durchschnittliche Einzelheizung gegenüber der Fernwärme über einen 20-Jahres-Zeitraum um 14.757 Euro günstiger. Beim Anschluss an die Fernwärme würden sich die Wärmekosten für die Nutzer gegenüber dem Status quo in der Regel erhöhen.


Fallbeispiel mit unsaniertem Einfamilienhaus:

Heizungsmodernisierung oder Fernwärme?

Im Fallbeispiel auf Basis der Studie „Dezentrale vs. zentrale Wärmeversorgung im deutschen Wärmemarkt“ liegt ein älteres 168 Quadratmeter großes, unsaniertes Einfamilienhaus zugrunde. Das Haus verfügt über eine noch funktionsfähige alte Ölheizung, die aber nicht mehr dem Stand der Technik entspricht. Der Eigentümer plant die Heizung zu modernisieren. Dabei erwägt er, entweder die Ölheizung dezentral zu sanieren oder einen Anschluss an ein Fernwärmenetz. Um sich für die optimale Variante entscheiden zu können, wurden unter wirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten die nachfolgenden Berechnungen angestellt. Das Fallbeispiel zeigt, dass sich eine Heizungsmodernisierung lohnt, weil sie zu spürbaren Energie- und Kosteneinsparungen führt.

Status quo und weitere Nutzung alter Heizung

Die alte Heizung ist noch funktionstüchtig und könnte bei entsprechend intensiver Instandhaltung noch weiter betrieben werden. Der Endenergieverbrauch der Heizung beträgt 29.998 kWh/a, der Primärenergieverbrauch 33.396 kWh/a und der CO2-Ausstoß 9.440 kg/a.

Zur Ermittlung der Wärmekosten wird ein Finanzplan erstellt, in dem über die nächsten 20 Jahre alle anfallenden Wärmekosten für die Investition, deren Finanzierung, den Betrieb der Heizungsanlage sowie der Energiekosten eingetragen werden. Der Barwert der Wärmekosten würde sich auf 50.927 Euro summieren, wenn die alte Heizung weiter betrieben werden würde.

Variante 1:

Neue Ölheizung mit Brennwerttechnik

Die Erneuerung der Ölheizung nach modernem Standard würde die Energieeffizienz um rund ein Drittel – und damit deutlich – verbessern. Der Endenergieverbrauch der Heizung sinkt auf 20.627 kWh/a (-9.371 kWh/a), der Primärenergieverbrauch auf 22.922 kWh/a (-10.473,3 kWh/a) und der CO2-Ausstoß auf 6.477 kg/a (-2.963,5 kg/a).

Gesunkener Barwert der Wärmekosten auf 44.053 Euro, verringert um 6.874 Euro (-15,6 %) gegenüber Status quo.

Variante 2:

Anschluss an ein Fernwärmenetz

Alternativ könnte der Eigentümer sein Haus an ein Fernwärmenetz anschließen. Hier sei angenommen, dass die Energieerzeugung hohen energetischen Effizienzstandards entspricht und mittels Kraft-Wärme-Kopplung regenerativ erfolgt. Der Endenergieverbrauch sinkt dadurch um 8.222,2 kWh/a, der Primärenergieverbrauch um 32.977,7 kWh/a und der CO2-Ausstoß um 9.310,8 kg/a.

Gestiegener Barwert der Wärmekosten auf 59.866 Euro, Erhöhung um 8.939 Euro (+14,9 %), durch den Wärmenetzanschluss.

Die Ergebnisse aus dem Fallbeispiel in der Übersicht:

Fazit

Aus Sicht des Klimaschutzes ist die in diesem Beispiel ausgewählte, mit KWK regenerativ erzeugte Fernwärme, naturgemäß im Vorteil. So lassen sich rund dreimal so viel an Primärenergie und CO2 einsparen. Dieser energetische Vorteil muss allerdings teuer erkauft werden.

Während beispielsweise der Selbstnutzer durch die dezentrale Erneuerung seiner Ölheizung 405 Euro an Heizkosten pro Jahr gegenüber seinem Status quo spart, muss er beim Anschluss an ein Fernwärmenetz 489 Euro mehr für Wärme pro Jahr ausgeben. Die Differenz von knapp 900 Euro pro Jahr wird insbesondere für die sozialschwachen Haushalte kaum zu tragen sein.

Für die Vermieter bietet hingegen die Fernwärme finanzielle Vorteile. Sie würden in dem Beispiel durch die Investition in den Netzanschluss ihres Hauses eine 1 Prozent höhere Rendite erzielen als durch die Investition in eine neue Ölheizung. Dafür zahlen die Mieter die Zeche. Ihre Wärmekosten steigen beim Anschluss an ein Wärmenetz durchschnittlich um 754 Euro pro Jahr, wohingegen sie bei der Modernisierung der dezentralen Ölheizung durchschnittlich um 316 Euro fallen würden. Auch hier zeigt sich, dass insbesondere sozial schwächere Haushalte wohl kaum in der Lage sein dürften, die höheren Wärmekosten zu tragen, ohne anderweitige Einschnitte in ihrer Lebensqualität hinzunehmen.

Quelle: Prof. Dr. Andreas Pfnür, Technische Universität Darmstadt; Allianz Freie Wärme